Männer mit Kapuze

Warum Dein Instinkt über 40 noch besser funktioniert

Angst vor Dunkelheit und maskierten Menschen? / Foto: pixabay.com/PublicDomainPictures

Neulich auf der gewohnten Hunderunde war etwas anders. Ein Auto hielt an und parkte, ca. 50 Meter von mir und meiner Bodenhupe entfernt. Es stieg ein junger Mann aus, dunkle Sportklamotten, Drei-Tage-Bart und Hoodie. (Nein, er sah nicht „ausländisch“ aus.) Er zündete sich eine Zigarette an und ging ein paar Meter vom Auto weg. Als er sich die Kapuze über den Kopf zog und in seine rechte Jackentasche griff, passierte es.

Ich bekam Angst.

Szenarien so dunkel wie seine Klamotten ploppten im meinem Kopf hoch.

* Hat er eine Pistole?

* Sicher ist in der Dachbox auf seinem Auto eine Geisel oder Unlebendiges versteckt!

* Ob er mich in ein strüppiges Gebüsch zieht und mir etwas antut? (Okay, da hätte er an Roxi vorbei gemusst.)

Wirklich passiert ist (natürlich) nichts. Vermutlich ein ganz normaler junger Mann, der vielleicht heute Morgen aufgehört hat zu rauchen und seine Vorsätze über Bord geworfen hat. Und legere Kleidung ist ja normal heutzutage. Diese Jugend…

Ich stellte jedoch leicht erschrocken fest, dass ich ein mulmiges Gefühl hatte. Woher kam es? Ist es ein natürlicher weiblicher Reflex? Oder beeinflussten die „Nachrichten“, die ich in den letzten 30 Jahren konsumiert habe, mein Bild dermaßen? Oder ist es gesunder Mittvierziger-Realismus, dass das Leben eben nicht nur aus Cupcakes und Regenbögen besteht?

(Wer mir sagen kann, wo ich dieses Bild geklaut habe, bekommt etwas geschenkt. 🙂 )

Oder bin ich am Ende zu leichtsinnig? Okay, ich hatte mein Handy dabei. Mein kleiner Wachhund ist nicht ohne, jedoch mit fünf kg Lebendgewicht leicht zu beseitigen. Pfefferspray besitze ich nicht und GPS schalte ich stets aus, kostet zuviel Akkuenergie…. Bin ich leichtsinnig, allein mit Hund in den Wald zu gehen? Oder darf ich noch an das Gute im Menschen glauben? Bin ich im wunderschön herbstlich belaubten Wald im Paradies oder in einer potenziellen Hölle?

An den meisten Tagen überwiegt mein Vertrauen in die Menschheit. Doch nicht selten, wenn ein einsames Auto an einem Waldweg steht oder mir Menschen –nein, genau genommen Männer- ohne Hund begegnen, dann versuche ich doch, einen anderen Weg zu gehen. Oder zu telefonieren, ich hörte, das sei ein gewisser Schutz vor Gewalttaten.

Wir leben sehr dörflich, hier passiert so gut wie nichts. Außer wilde Mülldeponien ist mir noch nichts Illegales im Wald begegnet. Trotzdem.

Frauen über 40

Seit ich über 40 bin, hat sich mein Hang zu flüchten verstärkt. Vielleicht hängt das mit den Wechseljahren zusammen. Auch, wenn sie körperlich noch entfernt sind, glaube ich daran, dass sich unsere weibliche Psyche in dieser Zeit stark verändert. Hormonell bedingt und aus Erfahrungen heraus. Ich fahre deutlich vorsichtiger Auto (okay, abends kann ich schlechter sehen), ich kontrolliere mehr und habe den naiven Gedanken „Sowas passiert nur den anderen“ ad acta gelegt. Ich bedaure, dass scheinbar mein Urvertrauen geschwunden ist. Denn das möchte ich meinen Kindern grundsätzlich vorleben, dass die Welt ein guter Ort ist und es schön ist, (hier) zu leben. Es fällt mir schwerer, Vertrauen in die Zukunft zu haben. Was wird unsere Kinder erwarten, wenn sie erwachsen sind? Das liegt außerhalb meines Einflussbereiches und das löst eine leichte Unruhe in mir aus.

In manchen Situationen regiert mein Fluchtinstinkt.

Und da der seinen langen evolutionären Sinn hat, werde ich ihm vertrauen. Sicher ist sicher.

In diesem Sinne einen SCHÖNen Tag!

 

Dieser Artikel entstand im Rahmen der Blogparade auf Lemondays, bei der ich liebend gern mitmache. Gela schreibt ihren Blog mit viel Herzblut und Wissen und ist meine Anlaufstelle für alle Fragen rund um die spannende frauische Zeit über 40.

Lemondays.de ist Dein Blog für zitronenfrische und königliche Wechseljahre.

 

Meine Lieblings-Drei

  • Für Hunde gibt es GPS-Sender: Tractive GPS Tracker für Hunde und Katzen {Werbung}
  • Dieser Schlüsselanhänger {Werbung} macht ohrenbetäubenden Krach, wenn Du ihn drückst. Allein im Wald reicht der allerdings nicht.
  • Dieses Video gibt Dir hilfreiche Tipps für den Ernstfall. Am besten vorher üben, damit die Reaktionen in Fleisch und Blut übergehen.

2 Kommentare zu Männer mit Kapuze

  1. Liebe Heike, auch, wenn die Doggen vielleicht feige sind, sie sehen sehr beeindruckend aus. 😉 Die Gelassenheit wächst auch mit dem Alter (wie sich das anhört!!). Aber es stimmt, die Unbefangenheit wird weniger.

  2. Kann ich vollkommen nachvollziehen! Auch wenn ich mich mit 2 Deutschen Doggen eigentlich sicher fühlen sollte (sieht man ja nicht, dass die beiden Megafeiglinge sind), ist mir im Laufe der Jahre dieses Urvertrauen abhanden gekommen. Eigentlich hatte ich erwartet, dass mit zunehmendem Alter die Gelassenheit wächst, aber wahrscheinlich prägen uns dann doch die Nachrichten, die wir ständig sehen. Eigentlich schade, dass man als Frau nicht mehr unbefangen ist. Schöner Artikel!

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